ABOUT
KATHARINA LÜDIN

 
 
 
 
 
 
 

"Film ist ein flüchtiges, fluides Werk, das erst im Moment des Zuschauens vollendet wird; weil es von den Betrachtenden abhängt, mitgedacht, mitgestaltet wird, und sich dennoch – anders als das Theater – nie in seiner  Form verändert. Dieses Zusammenspiel aus Variable und Festlegung, aus Rezipient*in und Autor*in ist das Wertvolle an diesem Medium – und genau so möchte ich es behandeln."

Katharina Lüdin


 
 
 
 
Katharina Lisa Lüdin, geb. 1990 in Basel CH, ist Regisseurin, Autorin, Produzentin und Schauspielerin für Film und Theater. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Nach einigen Jahren als Regieassistentin an verschiedenen deutschen Theatern, in denen sie erste eigene Regiearbeiten entwickelte und theaterpädagogisch tätig war, kam sie über das Art Department zum Film und blieb diesem bis heute treu. 2015 begann sie ihr Filmstudium an der HFBK Hamburg u. a. bei Angela Schanelec und Pepe Danquart. Seit 2018 studiert sie an der Universität der Künste Berlin in Thomas Arslans Klasse Narrativen Film. Ihre Filme liefen auf Festivals wie dem Internat. Frauenfilmfestival Köln, den Nordischen Filmtagen Lübeck, dem Bundesfestival für jungen Film u. a.

Neben der Regietätigkeit ist Katharina seit 2014 regelmäßig als Setrequisiteurin für Film und Fernsehen tätig, steht weiterhin selber vor der Kamera und gibt Rollenunterricht in Berlin. Katharina ist ehemalige stellv. Vorstandsvorsitzende der Hamburger „Analogfilmwerke e.V.“. Auch ihr filmisches Werk zeigt ihre Hingabe zum analogen Filmmaterial und der Konzentration, die durch das Arbeiten mit Zelluloid entsteht.
 
Katharina ist stellvertretende Frauenbeauftragte der Fakultät Gestaltung der UdK Berlin sowie gewähltes Mitglied des Studierendenparlaments und Vorsitzende des Ausschusses für Gleichstellung, engagiert sich in der AG Intersektionale Antidiskriminierung und setzt sich für Gendergerechtigkeitsthemen und den Abbau von intersektionalen Diskriminierungsstrukturen an der UdK ein. Diese Themen sind auch ihrem künstlerischen Schaffen ein Motor.


 
Film als Politikum
Auszug aus Director's Note, 2020

"Es geht auch darum, einen Blick auf menschliche Vielfalt jenseits von Stereotypen und Zuschreibungen zu etablieren. Ich möchte Figuren und Beziehungen sehen, die kein unkritisch (hetero-) normatives Modell einer seit Jahrhunderten konstruierten "Mehrheitsgesellschaft" reproduzieren. Deshalb sollte ihre sogenannte „Andersartigkeit“ in Erzählungen auch nicht ständig als Absonderlichkeit, und erst recht nicht klischeehaft betont werden – eben weil sie gar keine ist. Dieses Umdenken hat auch unser Alltag dringend nötig, und Gesehenes prägt den Alltag, davon bin ich überzeugt.


Eine große Relevanz hat in meinen Arbeiten deshalb auch der weibliche* Blick. Die Theater- und Filmwelt macht Frauen* noch immer häufig unsichtbar; im Theater schon allein deshalb, weil die meisten Stücke von Männern geschrieben wurden. Diversität da zu suchen, ist wie Fischen im trüben Morast. Frauenrollen ab Mitte 40 sind meist Nebenfiguren, oft  haben sie nicht mal mehr einen Vornamen. Sie heißen dann 'Mutter' oder 'Lehrerin' oder schlicht 'alte Frau' und tun genau das, was die 'Supporting Role' per Definition eben so tut: sie definieren sich über den ihnen zugeschriebenen gesellschaftlichen Zweck und durch einen männlichen Blick auf sie und ihre Welt.


Wir müssen unseren Blick endlich öffnen: für die Sichtbarmachung von unabhängigen Frauenfiguren, gerade von solchen jenseits der 50, deren Handlungsspielraum sich nicht nur darauf beschränken darf, sich diese Sichtbarkeit zu erkämpfen. Ich möchte, dass wir diesen Frauen* einfach dabei zusehen, wie sie leben, denken, lieben; fehlbar, großzügig und kleinlich, grenzüberschreitend oder zart, laut und leise, mit Kindern oder ohne – Hauptsache, sie haben nicht nur 'durch den Mann' ihre Existenzberechtigung."


 



Illustrationen: Messer und Feder auf Schabkarton, K. Lüdin 2006
Nach einer Kurzgeschichte von P. Bichsel